Bei Dream – Frei und ungezähmt war ich anfangs ehrlich gesagt eher skeptisch. Schon vom ersten Eindruck her klang es für mich nach einem Buch, das sich eher an jüngere Leserinnen richtet und ich hatte deshalb schnell das Gefühl, dass es vielleicht einfach nicht mehr so richtig zu mir passen könnte. Dazu kommt, dass ich nie dieses klassische Pferdemädchen war, das bei jeder Geschichte rund um Reitstall, Pferde und große Freiheit sofort Feuer und Flamme ist.
Gerade deshalb war ich umso überraschter, wie sehr mich das Buch am Ende doch noch für sich gewinnen konnte. Ich hatte anfangs sogar kurz das Gefühl, dass ich es vermutlich abbrechen würde. Aber manchmal täuscht einen genau dieser erste Eindruck eben doch. Denn je weiter ich gelesen habe, desto mehr hat mich die Geschichte abgeholt – nicht unbedingt, weil ich plötzlich ein Faible für Pferdebücher entwickelt hätte, sondern weil die Autorin daraus einfach eine wirklich schöne, emotionale und mitreißende Geschichte gemacht hat.
Inhalt & Stimmung
Im Mittelpunkt steht Sarah, die mit ihren Eltern nach Neuseeland gezogen ist und sich dort zunächst alles andere als wohlfühlt. Sie vermisst ihr altes Zuhause, ihren Reitstall und vor allem das Pferd, zu dem sie zuvor eine Verbindung hatte. Erst nach und nach beginnt sie, ihre neue Umgebung wirklich wahrzunehmen. Eine wichtige Rolle spielt dabei Lucas, der ihr die Wildpferde in den Kaimanawa-Bergen zeigt. Besonders ein windfarbener Hengst hat es Sarah angetan und genau diesem Pferd gibt sie den Namen Dream.
Als sie erfährt, dass die Wildpferde eingefangen und gezähmt werden sollen, verändert sich für sie plötzlich alles. Aus der anfänglichen Fremdheit gegenüber dem neuen Leben wird ein echtes emotionales Involvement. Gerade dieser Punkt hat für mich gut funktioniert, weil die Geschichte dadurch mehr ist als einfach nur ein Pferdebuch. Es geht nicht nur um Tiere, sondern auch um Ankommen, Loslassen, Verbundenheit und den Wunsch, etwas zu schützen, das frei und ungezähmt bleiben soll.
Was mir dabei besonders gefallen hat, war die Atmosphäre. Die Geschichte hat etwas Weites, Naturverbundenes und gleichzeitig etwas sehr Gefühlvolles. Gerade die Schauplätze in Neuseeland und die Wildpferde verleihen dem Ganzen eine sehr besondere Stimmung. Ich mochte dieses Gefühl von Freiheit, das immer wieder durchkam und gleichzeitig auch die emotionale Seite der Geschichte, die Sarahs Entwicklung mitträgt. Es wirkte auf mich nicht überzogen oder kitschig, sondern angenehm greifbar.
Obwohl ich anfangs also wirklich dachte, dass mich das alles eher nicht packen würde, hat mich die Geschichte nach und nach doch sehr für sich eingenommen. Ich konnte richtig mitfühlen und genau das hat das Buch für mich letztlich getragen.
Charaktere & Stil
Sarah mochte ich als Figur sehr gern, gerade weil ihre Situation nachvollziehbar wirkt. Ein Umzug ans andere Ende der Welt, ein komplett neues Umfeld und dieses Gefühl, erst einmal mit allem fremdeln zu müssen – das konnte ich gut nachempfinden. Sie wirkt nicht wie eine Figur, die sofort perfekt in ihrer neuen Welt aufgeht, sondern eher wie jemand, der sich Schritt für Schritt hineinfinden muss. Genau das fand ich angenehm, weil es der Geschichte etwas Echtes gibt.
Auch Lucas bringt eine schöne Dynamik hinein, weil er Sarah den Zugang zu dieser Welt ein Stück weit eröffnet, ohne dass es sich dabei künstlich anfühlt. Vor allem aber sind es natürlich die Pferde und insbesondere Dream, die einen großen Teil der emotionalen Wirkung ausmachen. Obwohl ich selbst nie die typische Zielgruppe für Pferdegeschichten war, hat die Autorin es geschafft, dass ich diese Faszination trotzdem verstehen und mitfühlen konnte. Und genau das ist für mich ein großes Plus.
Der Schreibstil hat mir ebenfalls gut gefallen. Er ließ sich sehr angenehm lesen und hat die Geschichte getragen, ohne sich in zu vielen Details zu verlieren. Vor allem schafft die Autorin es, Gefühle und Stimmungen so zu transportieren, dass man beim Lesen wirklich dabei bleibt. Für mich war das keine Geschichte, die man einfach nur liest und schnell wieder vergisst, sondern eine, bei der ich emotional wirklich mitgegangen bin.
Besonders stark fand ich, dass das Buch mich trotz meiner anfänglichen Skepsis so überzeugen konnte. Das passiert nicht oft. Wenn ich bei einem Buch von Anfang an denke, dass es wahrscheinlich nicht meins ist, dann bleibt es meistens auch dabei. Hier war es aber anders. Die Geschichte hat mich nach und nach abgeholt und genau das spricht für mich sehr für das Buch. Es zeigt, dass auch ein Thema, mit dem man sonst vielleicht nicht viel anfangen kann, funktionieren kann, wenn es gut erzählt ist.
Fazit
Dream – Frei und ungezähmt war für mich eine echte Überraschung. Anfangs war ich ziemlich sicher, dass das Buch eher nichts für mich sein würde, weil es auf mich zunächst wie eine Geschichte für jüngere Leserinnen wirkte und ich nie ein typisches Pferdemädchen war. Umso schöner war es, dass mich das Buch dann doch so positiv überrascht hat.
Die Autorin hat hier eine wirklich schöne Geschichte geschaffen, die emotional ist, ohne kitschig zu werden und die es geschafft hat, mich richtig mitfühlen zu lassen. Gerade die Mischung aus Neuanfang, Natur, Freiheit und der besonderen Verbindung zu Dream hat für mich sehr gut funktioniert.
Empfehlen würde ich das Buch nicht nur Leserinnen, die Pferdegeschichten mögen, sondern auch denen, die sich auf eine gefühlvolle Geschichte mit schöner Atmosphäre einlassen möchten. Für mich war es am Ende deutlich besser, als ich anfangs erwartet hätte.
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